Ausländische Fach- und Führungskräfte Finden und Binden

Ausländische fachkräfte Binden und Finden
Ausländische fachkräfte Binden und Finden

 

Die gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften birgt bis 2025 ein Potenzial von bis zu 0,8 Mio. zusätzlichen Fachkräften. Hier steht zwar die Politik in der Pflicht, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Doch gerade internationalisierte Unternehmen – also nicht zuletzt viele Mittelständler – sollten die bereits bestehenden Möglichkeiten besser ausschöpfen. Dazu zählen häufigere Wechsel von Fachkräften an deutsche Standorte, die stärkere Anwerbung ausländischer Hochschulabsolventen und ein intensiveres Bemühen um Auslandsdeutsche.

 

 

Neben der Rekrutierung im Inland sollten Unternehmen auch Fachkräfte aus dem Ausland für Tätigkeiten an deutschen Standorten anwerben und einstellen. Dieser Hebel wird bislang nur wenig genutzt, wohl, weil der 1973 von der Bundesregierung erlassene „Anwerbestopp“ der Rekrutierung ausländischer Mitarbeiter jahrzehntelang enge Grenzen gesetzt hat. Inzwischen wurden die Beschränkungen jedoch erheblich gelockert, so dass Unternehmen heute vielfältige Möglichkeiten haben, ausländische Arbeitnehmer anzuwerben.

 

Ausländische Absolventen deutscher Hochschulen. Seit 2007 können Firmen ausländische Absolventen deutscher Hochschulen aus allen Fachrichtungen einstellen. Derzeit haben ausländische Studenten nach ihrem Hochschulabschluss ein Jahr Zeit, um einen Arbeitsplatz zu finden. Bleibt die Suche erfolglos, wird ihre Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert und sie müssen Deutschland verlassen. Eine weitere Lockerung wird zurzeit diskutiert.

 

Hochqualifizierte mit höherem Einkommen. Fachkräfte mit besonderer Berufserfahrung, die in Deutschland eine Arbeit bekommen, bei der sie mehr als 66.000 EUR im Jahr verdienen, erhalten sofort eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Ihre Familienangehörigen können ebenfalls eine Beschäftigung aufnehmen. Um dieses Instrument auch auf Hochschulabsolventen anwenden zu können, wird eine Senkung der Verdienstgrenze diskutiert, etwa auf ein für Akademiker übliches Einstiegsgehalt von ca. 40.000 EUR.

 

Arbeitnehmer aus osteuropäischen EU­Ländern. Seit Mai 2011 genießen EU­Bürger aus acht osteuropäischen Staaten, die der Union 2004 beigetreten sind, volle Arbeitnehmerfreizügigkeit: Sie haben freien Zugang zu jeder Beschäftigung innerhalb der EU. Lediglich für Bulgarien und Rumänien gilt dies erst ab 2014. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit dürfte den Fachkräftemangel kurzfristig etwas abfedern. Insgesamt rechnen Bundesregierung und Sachverständigenrat jedoch nur mit begrenzten Effekten, zumal die Freizügigkeitsregelung für Akademiker und ihre Familien schon länger gilt.19

 

Arbeitnehmer mit besonderen Qualifikationen (Vorrangprüfung). Ausländer dürfen grundsätzlich eingestellt werden, wenn eine Vorrangprüfung ergibt, dass keine geeignete Arbeitskraft aus Deutschland oder einem anderen Mitgliedsstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) für die Stelle zur Verfügung steht und gleichwertige Arbeitsbedingungen wie bei deutschen Beschäftigten gewährleistet sind. Allerdings sind mit diesem Verfahren hohe bürokratische Hürden verbunden, die viele Unternehmen abschrecken. In 2009 sind lediglich 12.000 ausländische Fachkräfte nach erfolgreicher Vorrangprüfung nach Deutschland gekommen.

 

Hochqualifizierte Fachkräfte ausländischer Standorte. Unternehmen können ihre eigenen Mitarbeiter aus dem Ausland an einen deutschen Standort versetzen. Voraussetzung ist, dass der Angestellte einen akademischen Abschluss oder eine vergleichbare Qualifikation besitzt und im Rahmen des Personalaustauschs benötigt wird. Die Arbeitsgenehmigungen dieser Mitarbeiter und ihrer Familienmitglieder sind allerdings zunächst auf drei Jahre begrenzt.

 

Werkvertrags­ und Saisonarbeitnehmer. Schon seit Anfang der 90er Jahre gibt es die Option, Werkvertrags­ und Saisonangestellte zeitlich befristet nach Deutschland zu holen. Sie beruht auf zwischenstaatlichen Vereinbarungen, die Deutschland mit 13 Ländern geschlossen hat: Bulgarien, Lettland, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn sowie – außerhalb der EU – Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Serbien und der Türkei.

 

Diese Möglichkeiten zur Rekrutierung ausländischer Mitarbeiter reichen bislang aber offenbar nicht aus, um eine spürbare Wirkung zu entfalten. So kamen in 2009 nur gut 17.000 Fachkräfte nach Deutschland, davon rund 12.000 nach Vorrangprüfung, 4.400 im Rahmen des konzerninternen Personalaustauschs und 700 Hochqualifizierte mit höherem Jahreseinkommen. Auf drei Wegen können Unternehmen die Anwerbung ausländischer Fachkräfte forcieren:

 

1. Häufigere Wechsel von Fachkräften an deutsche Standorte. Internationale Unternehmen können Fachkräfte gezielt an ausländischen Standorten einstellen und ggf. weiterqualifizieren, um sie dann nach Deutschland zu versetzen.

 

Im Jahr 2009 fielen nur 4% der zugewanderten Fachkräfte unter die 66.000-EUR-Regelung

 

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2009

 

Hochqualifizierte mit Jahreseinkommen über 66.000 EUR 700 (4%) Wechsel innerhalb des Unternehmens 4.400 (26%)

 

Nach Vorrangprüfung

 

12.000 (70%)

 

Zugewanderte Fachkräfte nach Zugangsweg in Prozent

 

100% = 17.100

 

 

 

2. Stärkere Anwerbung ausländischer Hochschulabsolventen. Mehr Unternehmen sollten diese Gruppe zu einem Schwerpunkt ihres Recruitings machen. Denn inzwischen kommen rund 12% aller Studierenden in Deutschland aus dem Ausland. Deren Zahl hat sich zwischen 1998 und 2009 auf ca. 245.000 mehr als verdoppelt. Unternehmen könnten Bindungsprogramme – analog zu denen für deutsche Schüler und Studenten – speziell für ausländische Studierende anbieten. Auch Austauschstudenten ließen sich gezielt ansprechen und nach ihrem Abschluss im Heimatland zu einer Rückkehr nach Deutschland ermuntern. Denkbar wäre sogar, herausragende Absolventen von Schulen im Ausland mit Stipendien für ein Studium in Deutschland zu gewinnen.

 

3. Intensiveres Bemühen um im Ausland lebende Deutsche. Da für deutsche Staatsbürger im Ausland die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, auch wenn sie und ihre Eltern nicht mehr in Deutschland geboren wurden, ist diese Gruppe interessant für die Rekrutierung. Personalabteilungen könnten zu Gruppen wie deutschen Arbeitnehmern, aber auch zu deutschen Schülern, die im Ausland leben und dort ihr Abitur machen, frühzeitig Kontakt aufnehmen, um sie an ihr Unternehmen zu binden.

 

Deutsche Unternehmen werden allerdings nur erfolgreich aus dem Reservoir internationaler Fachkräfte schöpfen können, wenn sie ihre hiesigen Standorte gezielt auf Zuwanderer aus anderen Ländern vorbereiten und kulturelle wie sprachliche Barrieren abbauen. Erst wenn akzeptiert wird, dass Deutschland derzeit nicht die präferierte Destination für ausländische Fachkräfte ist, kann ein Bewusstseinswandel hin zu einer Willkommenskultur gelingen. In der heutigen Situation kann es sinnvoll sein, die Anwerbung auf solche Standorte zu konzentrieren, die für ausländische Fachkräfte bereits vergleichsweise attraktiv sind, etwa die Metropolen. Werbekampagnen mit dem Tenor „Work in Germany“ wären in einer Gemeinschaftsaktion von Unternehmen, IHKs, Deutschen Botschaften und Goethe - ­Instituten möglich.

Übrigens: Den Artikel von 50 Seiten können Sie am dem 03.03.16 auf unserer Homepage kostenlos runterladen.

 

Kommentare: 2
  • #2

    Terrell Felipe (Freitag, 03 Februar 2017 12:40)


    Very good article. I'm experiencing many of these issues as well..

  • #1

    Kornelia Epping (Freitag, 12 Februar 2016 09:41)

    Mit der Blue Card EU wurde ein wertvolles Tool für ausländische Bewerber entwickelt. Und das System funktioniert auch sehr gut. Kurze Bearbeitungszeiten und Mitarbeiter in den Ausländer-Behörden die freundlich und umfassende Informationen zu Ausländerbeschäftigung bereit halten.

    Jedoch ist der deutsche Arbeitgeber eher zögerlich beim Thema Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland.
    1. hohe Provisionen von Personalvermittlern sowohl im In- wie im Ausland
    2. hohe Nebenkosten durch Anreise für Vorstellungsgespräche etc.
    3. Hemmschwelle aufgrund Eingewöhnungs- und Einarbeitungszeit des Kandidaten
    4. Informationsmangel bezüglich Vergleichbarkeit internationaler Ausbildungsformen - und inhalten.

    Wir sind mit unserem JOBSEEKER Programm www.jobseekerprogam.com seit einem Jahr am Markt. Die Teilnehmer sind Hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte aus aller Welt, die in Deutschland leben und arbeiten möchten.
    Das Programm soll potentiellen Arbeitgebern in Deutschland Kosten, Zeit und Mühen sparen helfen, indem hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte ein Seminarprogramm in Deutschland durchlaufen, während dem Arbeitgeber diese Kandidaten bereits präsentiert bekommen können.
    In Kurzpraktika können die Bewerber sogar im Betrieb "hineinschnuppern".
    Personalvermittler, Betriebe und Jobsuchende Fachkräfte haben mit unserem Programm eine Plattform zur Verfügung, die allen Beteiligten grosse Vorteile bringen.
    Mit besten Grüßen
    Kornelia Epping